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„Zweck des Disputs oder der Diskussion soll nicht der Sieg, sondern der Gewinn sein.”

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Andrea Schmidt
DialogMomente

„Zweck des Disputs oder der Diskussion soll nicht der Sieg, sondern der Gewinn sein.”

Beratung & Coaching Zerbst
Veröffentlicht von Andrea Schmidt · Donnerstag 17 Jul 2025 · Lesezeit 2:00
„Zweck des Disputs oder der Diskussion soll nicht der Sieg, sondern der Gewinn sein.” (Joseph Joubert, in: Französische Moralisten I, 218)
 
Dieses Zitat las ich gestern (etwas abgewandelt) im Vorspann des Films „Contra“ und es lässt mich nicht mehr los.
Bedeutet das also im Konflikt lieber gewinnen statt siegen? Wo liegt der Unterschied?

SIEGEN
Über einen Gegner im Kampf dominieren, ihn in einer Auseinandersetzung gefügig machen, ihn niederringen, überwältigen und in die Knie zwingen. Das könnte man im allgemeinen unter SIEGEN verstehen. Besiege ich jemanden in einem Konflikt, betrachte ich mein Gegenüber gleichsam als Verlieren. Hier stellen sich zwangsläufig die Fragen nach Machtausübung, nach Gerechtigkeit eines solchen Sieges, nach den Folgen für den Verlierer und nach der Rolle von Gewalt und Aggression im Konflikt. Ich setze mich mit meinen Sichtweisen durch, verharre auf meinem Standpunkt und zwinge den anderen meine Sichtweise, meine Perspektive, meine Einschätzung der Situation, meinen Standpunkt auf.
 
GEWINNEN
GEWINN bezeichnet im allgemeinen den Nutzen oder Vorteil, der aus einem Ereignis erzielt wird. Im Falle eines Disputs liegt der „GEWINN“ also im Erkenntnisgewinn und dem gemeinsamen Fortschritt durch den Austausch von Argumenten. Ich bekomme etwas dazu (Zugewinn). Ich erweitere meine Sichtweisen und Perspektiven, erfahre, dass andere das Gleiche anders erleben und bewerten können, erhalte Einblick in die Denklogik meines Gegenübers und in die Schlüsse, die er aus seiner Wahrnehmung der Situation zieht. Und diese Schlüsse sind für ihn logisch und wahrhaftig. Schopenhauer schreibt dazu: „Falsche Urteile sind häufig, falsche Schlüsse höchst selten.“ (Die Kunst Recht zu behalten). Wenn es mir gelingt, meine Wahrheit über die Situation als akzidentell zu betrachten, einzuräumen, dass ich selbst nicht weiß, ob ich Recht habe oder nicht (oft glaubt man es zwar und irrt sich aber), erst dann ergibt sich die Möglichkeit für Verstehen, Verständigung und Regulierung. Und das ist der GEWINN aus einem Konflikt.
 
Es geht folglich nicht um: ICH HABE RECHT! sondern um HILF MIR ZU VERSTEHEN!
 
Diese Art von GEWINN stellt sich aber nicht per se ein. Ich muss zunächst investieren: in Zeit, in Geduld, in Neugier, in Ehrlichkeit, in Offenheit, in Achtsamkeit und in Respekt gegenüber andere Sichtweisen und Meinungen.
 
Und nur dann gehe ich als GEWINNER aus dem Konflikt hervor.
 


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