DialogMomente
Andrea Schmidt
Transformativ coaching
Es fühlt sich eigentlich ganz gut an, oder? Das Gehalt kommt pünktlich, die Abläufe sind Routine, die KollegInnen sind an den meisten Tagen nett. Gelegentlich kleine Krisen und schlaflosen Nächte wegen Überforderung. Doch irgendwann schleicht sich dieses leise, lästige Gefühl ein:War das wirklich schon alles? Du spürst immer mehr eine Unzufriedenheit und vielleicht beginnst du gedanklich aus dem alten Job auszuchecken. Der nächste Schritt ist noch völlig vernebelt. Oder lässt es sich doch gut leben in dieser Komfortzone und du musst da eben durch? Irgendwie hängst du fest.
Willkommen im „Dazwischen“. Psychologen nennen diesen Zustand liminalen Raum– die Schwelle zwischen dem, was war, und dem, was kommt. Den Raum zwischen Stillstand und Veränderung.
Das Paradoxon der Sicherheit: Warum Stillstand schmerzt
Der Mensch liebt Vorhersehbarkeit. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Energie zu sparen und Risiken zu minimieren. Ein stabiler Job füttert dieses Sicherheitsbedürfnis perfekt. Das Problem dabei: Wir Menschen brauchen auch Wachstum, Sinn und das Gefühl, wirksam zu sein.
Wenn du jahrelang unter deinen Möglichkeiten bleibst oder eine Arbeit tust, die dich innerlich kaltlässt, droht einBoreout– die Erschöpfung durch Unterforderung und Sinnentleerung. Das Gefühl, festzustecken, ist kein Zeichen von Undankbarkeit gegenüber einem "guten Job". Es ist das Alarmsignal deiner Psyche, das dir sagt:Hier gibt es für dich nichts mehr zu lernen.
Das Phänomen „Dazwischen“: Warum der Nebel Sinn macht
Wenn wir unzufrieden sind, wollen wir meistens sofort eine Lösung. Wir wollen das unangenehme Gefühl des Unwissens wegorganisieren. Also schreiben wir hastig Bewerbungen auf Stellen, die eigentlich nur eine Kopie unseres alten Jobs sind – Hauptsache, die Unsicherheit ist weg.
Genau das ist der Fehler. Wenn du im Dazwischen feststeckst, hast du die seltene Chance, das Fundament neu zu bauen. Du bist nicht mehr blind für die Fehler des alten Systems, aber noch nicht voreingenommen vom neuen. Nutze diese Phase nicht zum Verzweifeln, sondern als strategische Denkpause.
Warum das „Dazwischen“ die beste Zeit für dein IKIGAI ist
Meistens fühlt sich diese Phase verdammt unangenehm an. Sie ist geprägt von Unsicherheit, Zweifeln und oft auch den Nachwehen einer echtenSinnkrise im Job. Doch genau dieses scheinbare Vakuum ist der fruchtbarste Boden, um dein Ikigai zu entdecken. Warum? Weil du endlich den Kopf frei hast. Wenn du mitten im Hamsterrad steckst, hast du keine Energie, um groß über den Sinn des Lebens nachzudenken. Im Dazwischen hingegen bist du ungefiltert und bereit für eine echteberufliche Veränderung.
Die Ikigai-Matrix: Dein neuer Kompass
Ikigai bedeutet übersetzt so viel wie „das, wofür es sich zu leben lohnt“. Im beruflichen Kontext entsteht es an der Schnittstelle von vier Dimensionen. Wenn du das Gefühl hast festzustecken, liegt das meistens daran, dass eine oder mehrere dieser Säulen in Schieflage geraten sind:
Was du liebst:Deine echten Interessen – worüber liest du in deiner Freizeit?
Worin du gut bist:Deine Talente, aber auch hart erarbeitete Fähigkeiten.
Was die Welt braucht:Wo gibt es echten Bedarf, Probleme oder Märkte?
Womit du Geld verdienen kannst:Wer bezahlt dich für diese Leistung?
Wer nur tut, was er liebt und was die Welt braucht, hat ein schönes Hobby, wird aber arm (fehlendes Geld). Wer nur tut, was Geld bringt und worin er gut ist, landet im goldenen Käfig (fehlende Liebe und Sinn). Ziel der Neuorientierung ist die Balance.
Dein Fahrplan aus der Sackgasse
Klarheit findet man nicht durch reines Nachdenken auf dem Sofa, sondern durch gezieltes, strukturiertes Handeln. Dieser Vier-Schritt-Prozess bringt dich aus dem Festhängen in die Umsetzung:
1.Die innere Inventur: Fokus auf dich selbst.
Nimm dir die ersten beiden Kreise deines Ikigai vor. Schreibe radikal ehrlich auf: Was hat dir in den letzten Jahren im Job wirklich Energie gegeben und was hat sie dir geraubt? Notiere dir deine Kernkompetenzen – auch die, die nicht in deinem aktuellen Arbeitszeugnis stehen (z. B. Konfliktlösung, Organisationstalent oder kreatives Schreiben).
2.Den Außenbereich scannen: Fokus auf den Markt.
Überprüfe die Kreise „Was die Welt braucht“ und „Womit man Geld verdienen kann“. Suche gezielt nach Branchen und Trends, die wachsen (z. B. Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Bildung). Wo überschneiden sich diese Trends mit deinen Fähigkeiten aus Schritt 1?
3.Micro-Prototyping starten: Risikofreies Testen.
Du musst nicht gleich kündigen oder ein neues Studium beginnen. Baue kleine „Prototypen“ deines neuen Wunschberufs. Mach ein Wochenend-Seminar, sprich mit Menschen auf LinkedIn, die diesen Job bereits machen, oder nimm an einem ehrenamtlichen Projekt teil. So testest du die Realität, bevor du dich festlegst.
4.Die Brücke bauen: Strategischer Übergang.
Erstelle einen konkreten Übergangsplan. Wie viel finanzielle Rücklagen hast du? Welche Weiterbildung brauchst du noch? Setze dir eine Deadline, wann du den ersten echten Bewerbungsprozess startest oder dein Nebengewerbe anmeldest.
Wie du das „Dazwischen“ nutzt: Beispiele aus der Praxis
Um dein Ikigai (die Schnittmenge aus dem, was du liebst, worin du gut bist, was die Welt braucht und womit du Geld verdienen kannst) zu finden, musst du aus dem Kopf und ins Tun kommen.
Beispiel 1: Vom Marketing-Stress zur Nachhaltigkeit
Beispiel 2: Vom Friseur zur Stilleoase
Deine To-do-Liste für dein „Dazwischen“
Nutze diese Phase strategisch, um systematisch Klarheit finden zu können. Hier sind deine konkreten Aufgaben:
To-do 1: Das „Schattierungsexperiment“ (Prototyping)
To-do 2: Das Stärken-Interview
To-do 3: Die „Was die Welt braucht“-Recherche
Das Dazwischen ist keine verlorene Zeit und kein Makel im Lebenslauf. Es ist die Startrampe für das, was wirklich zu dir passt.
Wenn du jetzt spontan an dein eigenes „Dazwischen“ denkst: Welche kleine, risikofreie Aktion oder welches Experiment könntest du noch in dieser Woche starten, um deiner beruflichen Wahrheit ein Stück näherzukommen.
Warum ein Coaching der Turbo für deinen Neustart ist
Den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, ist völlig normal, wenn man mitten in einer beruflichen Sackgasse steckt. Man dreht sich gedanklich im Kreis. Genau hier kommt Berufliches Coaching ins Spiel. Ein Coach ist kein Ratgeber, der dir sagt, was du tun sollst, sondern ein Katalysator für deine eigene Klarheit.
Fazit: Halte die Lücke aus
Das Gefühl, festzustecken, ist das Startsignal für deine berufliche Veränderung. Betrachte das „Dazwischen“ nicht als verlorene Zeit, sondern als die Vorbereitungsphase für ein Arbeitsleben, das endlich wieder zu dir passt. Dein Ikigai wartet nicht in der Komfortzone – es wartet genau in dem Moment, in dem du den Mut hast, den Nebel Schritt für Schritt zu durchschreiten.
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